Niedersedlitz – das Dorf

© www.niedersedlitz-online.de, U.Clemens

„Der Ort liegt nahe bei Lockwitz, an dem, von dort kommendem Grimmschen Wasser, schon völlig im Elbtal, aber fast ¾ Stunden vom Strom, 1 ½ Stunden südöstlich von Dresden, 2 ½ Stunden westnordwestlich von Pirna, in einer angenehmen und äußerst fruchtbaren Gegend. Hier geht vom Grimmschen Wasser der Tolkewitzer Graben ab. – Sedlitz hat 36 Häuser und etwa 200 Einwohner, welche vom Feldbau, der Viehzucht, der Strohflechterei, starker Obstzucht und der Tagelöhnerei leben. Es gibt hier zwei Mühlen und 9 Güter, welche fast sämtlich wohlgebaut sind, und vom großen Wohlstand der Bauern zeugen; unter denselben ist auch das Hauswaldsche Freigut, das stärkste im Dorfe inbegriffen. Die übrigen Häuser sind fast ohne Ausnahme Gärtnerstellen, zu welchen jedoch gewöhnlich kleine Feldstücken gehören. Der Flur grenzt mit Lockwitz, Luga, Sporbitz, Großzschachwitz, Leuben, Reick und Prohlis. Sedlitz ist nach Leuben gepfarrt.“

Als August Schumann 1820 in seinem Lexikon von Sachsen Niedersedlitz so beschrieb, war es tatsächlich nur eine kleine Ansammlung von Häusern, die sich beiderseits des Lockwitzbaches im Bereich der heutigen Dorfstraße gruppierten. Etwas abseits stand eine Wassermühle. Ringsherum schweifte der Blick über weite Felder – kein Eisenbahndamm zerschnitt die Landschaft, keine Industriebauten, kein Rathaus, keine Schule, keine mehrgeschossigen Villen und Wohnbauten verstellten den Blick. Am Horizont im Norden erhob sich der Kirchturm der alten Kirche von Leuben, wohin die Niedersedlitzer ihre Kinder zur Schule schickten, jeden Sonntag zum Gottesdienst zogen, und wo sie ihre Toten begruben. Im Süden dagegen zeichnete sich am Horizont das ritterliche Schloss von Lockwitz ab, damals eine weitaus bedeutendere Ortschaft als das unbedeutende Bauerndorf Niedersedlitz. Die Herrschaft von Niedersedlitz jedoch saß noch weiter entfernt auf dem Rittergut in Gamig. Nach Westen schlängelte sich ein schmaler Weg auf den Hinterberg, wo Mühlenbesitzer Schreger soeben seine fünfflügelige Holländerwindmühle erbauen ließ.

Erstmalig erwähnt wurde Niedersedlitz aber bereits knapp 500 Jahre vor August Schumann im Jahre 1350. Am 16. Februar 1350 bestätigt Karl IV., römisch-deutscher König und König von Böhmen, den Domherren des Hochstifts zu Meißen auf dessen Bitte alle Privilegien, Güter und Renten in namentlicher Aufzählung – darunter auch „…, total villam Sedelicz, …“ Die Meißener Bischöfe belehnten zunächst die Burggrafen von Dohna mit Niedersedlitz. 1385 begann jedoch eine als „Dohnaische Fehde“ in die Geschichte eingegangene Auseinandersetzung, zunächst als persönlicher Streit auf einem Dresdner Adelstanz zwischen Hans von Körbitz und einem Sohn des Dohnaer Burggrafen. Der Privatkrieg zwischen den Donins und den Körbitz zog weite Kreise und der Wettiner Markgraf Wilhelm I. von Meißen - auch als Wilhelm der Einäugige bekannt - nutzte die Fehde, um den Konkurrenten im Streit um Macht und Einfluss im sächsisch-böhmischen Raum auszuschalten und die Burggrafschaft der Donins seiner Herrschaft zu unterwerfen. Nach einjähriger Belagerung fiel im Juni 1402 die Burg, wurde zerstört und der Burggraf vertrieben. Nach der Niederlage der Donins belehnten die Wettiner ihre Vasallen für Treue und Verdienste mit deren Gütern. So kam Niedersedlitz als markgräfliches Lehen an die Familien Körbitz und Bußmann. Im Jahre 1468 wird Niedersedlitz unter den 6 bischöflichen und 34 Vasallen-Orten, die zum bischöflichen Gerichte oder der Pflege Briesnitz gehören, aufgeführt. Dort heißt es: „Item (Ebenso) Cedlicz ist gelegen zwischen Pirne und Dresden in medio (in der Mitte), hat Nickel von Garbiz und Vincencius Busmann und andere mehr, die haben es von den von Donyn (Dohna) gehabt, die es fürder von unserem Herrn (Bischof von Meißen) haben, und nehmen es nun vom Landgrafen.“ 1547 übte Wilhelm von Carlowitz zu Dohna die Grundherrschaft in Niedersedlitz aus, am 25. April 1565 kauft Hans von Carlowitz das Dorf. 1586 wurde Abraham von Schönberg, Herr auf Gut Gamig mit den Fluren von Niedersedlitzer belehnt. Mit den häufig wechselnden Besitzern des Rittergutes wechselte auch die Niedersedlitzer Grundherrschaft. Als Zubehör zu Gamig wird Niedersedlitz 1652, 1657, 1696, 1724 und 1764 erwähnt. Ab 1720 unterstand das Gut Gamig etwa ein Jahrhundert lang den Grafen von Bose, die in dieser Zeit so auch die Gerichtsbarkeit in Niedersedlitz ausübten. Infolge der Zugehörigkeit nach Gamig gehörte Niedersedlitz lange Zeit zur Amtshauptmannschaft Pirna - im Gegensatz zu den meisten umliegenden Orten, die dem Dresdner Religionsamt unterstanden. Im Übrigen machte Niedersedlitz dieselbe Entwicklung durch, wie die meisten Ansiedlungen in der Umgebung. Neben Missernten, Dürre und Teuerungen überzogen immer wieder Kriege das Land. Während des 30jährigen Krieges 1618 bis 1648 suchten sächsische, kaiserliche und schwedische Soldaten die Dörfer heim, brannten sie nieder, raubten, plünderten, schändeten und töteten. Die meisten Bewohner waren in die Wälder geflohen, kehrten sie zurück, fanden sie rauchende Ruinen vor. Noch 1688 gab es in Niedersedlitz sieben wüste Brandstätten. Bereits 1706 kehrte das schwedische Heer mit 3000 Mann zurück, setzte am 15. September bei Hosterwitz über die - wegen des damaligen trockenen Sommers leicht zu passierende - Elbe und forderte in Leuben, Niedersedlitz und Lockwitz Obdach und Verpflegung für ein Jahr. 1745 wurden bei der Schlacht von Kesselsdorf Österreicher und Sachsen von den Preußen geschlagen. Auf ihrer Flucht plünderten sie die Dörfer. Während des Siebenjährigen Krieges erbrachen am Morgen des 26. August 1759 Kroaten das Tor der Niedersedlitzer Pachtmühle und wollten sie ausplündern. Meister Langwagen stellte sich den Eindringlingen entgegen, wurde schwer verwundet und sein Sohn durch einen Säbelhieb getötet. Im August 1813 wurde Napoleon bei Dresden geschlagen. Die Dörfer vor den Toren der Stadt waren verwüstet, das Vieh geraubt und die Häuser niedergebrannt. Niedersedlitz verlor seinen gesamten Pferdebestand, drei Viertel aller Kühe und ein Viertel der Einwohner. Nach 1830 zerfielen die feudalen Strukturen in Sachsen zusehends. Mit dem Erlass der sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 erlangte auch Niedersedlitz das Selbstverwaltungsrecht. Von den Einwohnern gewählte Gemeindeälteste und ein Gemeindevorstand regelten fortan die Gemeindeangelegenheiten. In dieser Zeit beschäftigte sich der sächsische Landtag im Jahre 1839 auch mit einem Vorhaben, das die Entwicklung von Niedersedlitz entscheidend beeinflussen sollte. Im Februar 1843 legte die königliche Staatsregierung der Ständeversammlung den Plan vor, eine Eisenbahnverbindung von Dresden über Pirna bis nach Böhmen zu bauen …

Niedersedlitz um 1785

© SLUB/Kartensammlung (Mierisch, Anne), Bildrechte: Deutsche Fotothek
http://www.deutschefotothek.de/obj70301497.html

Google News - Niedersedlitz

  • Ihre Werbung auf Niedersedlitz-Online

  • Heimatverein Niedersedlitz

0

Was ist los in Niedersedlitz

Sa 29.04.2017 - 08:00
51. Dresdner Langstreckenwanderung
Sa 29.04.2017 - 18:00
Walpurgisfeuer
So 30.04.2017 - 11:00
Frühlingsmusik mit Posaunenchor
Fr 09.06.2017
Siedlerfest
Sa 10.06.2017
Siedlerfest

eCard versenden

Follow Us On Twitter - Image
niedersedlitz-online.de Webutation