vorausgesetzt Sie wählen uns im Mai 2014. Das, was Stadtrat Haßler da während der Bürgerversammlung am letzten Dienstag - nicht ganz ernst gemeint - versprach, das charakterisierte doch das ganze Dilemma, welches sich durch die ganze Veranstaltung zog. Pläne gibt es viele, nur Geld ist auf absehbare Zeit kaum da.
Bei der Fortsetzung der Bürgerversammlung, deren erster Teil im April dieses Jahres stattfand, lag diesmal der Schwerpunkt auf dem Zustand und der Zukunft der Niedersedlitzer Straßen und Brücken. Neben den beiden CDU-Stadträten Dietmar Haßler und Klaus-Dieter Rentsch saßen dazu diesmal der Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt und der Leiter des Dresdner Straßen- und Tiefbauamtes Reinhard Koettnitz im Podium. Moderiert wurde die Veranstaltung wieder vom CDU-Landtagsabgeordneten Christian Piwarz.
Zu Beginn ergriff sofort der Straßenbauchef das Wort und legte sogleich den Finger in die Niedersedlitzer Wunden. Reinhard Koettnitz zeigt sich dabei durchaus kompetent und vorbereitet, und scheute sich auch nicht, unangenehme Wahrheiten unverblümt auszusprechen. So sprach er alle derzeitigen Problemstellen im Niedersedlitzer Straßennetz an, die schon vor einem halben Jahr thematisiert worden.

Er bestätigte, dass die Reisstraße für ca. 1. Mio EUR aus den Mitteln des Hochwasser-Wiederaufbaufonds rekonstruiert wird. Er betonte jedoch, dass entgegen anders lautenden Presseberichten, durchaus ein grundhafter Ausbau vorgesehen ist, der auch die Fußwege umfasse und an der Kreuzung mit der Bismarckstraße eine Ampel vorsieht. Die Ausführung muss jedoch wohl noch bis nach 2015 warten, da die Planungen noch nicht vorliegen und bis Ende 2015 Zeit sei, die Mittel zu beantragen.
Auch für die Brücke Windmühlenstraße gibt es einen festen Termin. Am 5.Mai nächsten Jahres beginnen die Bauarbeiten und sollen bis November des gleichen Jahres abgeschlossen sein. Während der Bauphase ist eine halbseitige Sperrung vorgesehen und nach Abschluss der Arbeiten soll die Umleitung der Buslinie 88 wieder aufgehoben werden.
Anders sieht es an anderen verkehrstechnischen Brennpunkten aus. Für den Bahnhofsplatz gibt es durchaus konkrete Vorplanungen – nur sind bis 2017 in den Haushaltsplanungen dafür genau 0 EUR vorgesehen. Ähnlich auf der anderen Seite der Bahnlinie an der Kreuzung Bahnhofstraße / Bismarckstraße. Entwurfsplanungen für den Neubau der Brücke Prof.-Billroth-Straße liegen vor, ein angedachter Kreisverkehr ist inzwischen verworfen und stattdessen wird jetzt eine Ampel bevorzugt. Nur – im Haushaltsplan sind bis 2017 auch dafür genau 0 EUR vorgesehen. Ebenso die Lockwitztalstraße: was zu tun ist, ist laut Amtsleiter Koettnitz bekannt, nur die Finanzierung ist unklar. Auch die Windmühlenstraße wird – trotz Brückensanierung – auf den restlichen Streckenabschnitt nur geflickschustert. Im Hinblick auf die fehlenden Finanzen verwies Koettnitz auf die anwesenden Politiker mit den Worten „Das ist euer Job".
Stadtrat Haßler erwähnte dazu – neben der eingangs aufgeführten Bemerkung -, dass die Stadt Dresden seit einigen Jahren stets 70 Mio. EUR zum Verbauen vorsieht, die sich durch Fördermittel auf 200 Mio. EUR erhöhen. Allerdings liegt in Dresden der Schwerpunkt derzeit auf Schulen, Kitas und Kultur – und das wird auch in den nächsten Jahren noch so bleiben. In den letzten 20 Jahren wurden dennoch 1,5 Mrd. EUR in Verkehrsinfrastruktur investiert – weitere 700 Mio. EUR sind jedoch noch notwendig.
Ortsamtsleiter Lämmerhirt ergänzte noch, dass im nächsten Jahr die Bismarckstraße und die Sosaer Straße im Bereich des Gewerbegebietes aus Mitteln des Wirtschaftsressorts saniert werden, dass die Brücke Sosaer Straße über den Flutgraben aus Mitteln der Hochwasserschadensbeseitigung erneuert wird, und dass 2014 auch die Sanierung der 89. Grundschule beginnen soll. Seit Jahren wird an der Niedersedlitzer Schule nur Flickwerk betrieben, jetzt liegt die Fördermittelzusage vor, so dass die dann bis 2016 andauernde Rekonstruktion erfolgen kann. Allerdings kann dies nicht bei laufendem Schulbetrieb erfolgen. Deshalb ist geplant, die Schule in das ehemalige Erich-Wustmann-Gymnasium nach Prohlis auszulagern und man denkt bereits heute darüber nach, wie die Grundschüler aus Niedersedlitz dorthin kommen können.
Zu Beginn der Diskussion zog sich ein Anwohner der Lugaer Straße den Unmut der anwesenden Zuhörer zu, als er – wie bereits in der letzten Bürgerversammlung im April – wiederholt und aufdringlich eine Geschwindigkeitsbeschränkung für „seinen Straßenabschnitt" forderte, obwohl Reinhard Koettnitz bereits zuvor eine erneute Prüfung zusagt hatte und gute Chancen für eine Realisierung sah. Manche Mitbürger merken einfach nicht, wenn sie den Bogen überspannen.
Genutzt haben diesmal auch die Anwohner aus der Windmühlensiedlung ihre Chance - und hatten sich generalstabsmäßig darauf vorbereitet. Seit Jahren kämpft die Siedlergemeinschaft um eine geschützte Fußgängerquerung im Bereich der Ernst-Toller-Straße über den Langen Weg. Bereits zuvor hatte der Straßenbauamtsleiter dazu Stellung genommen und bestätigt das ein vormals geplanter 4spuriger Ausbau des Langen Weges vom Tisch sei, sonstige Ausbaupläne jedoch auf Eis liegen – auch hier: kein Geld dafür in absehbarer Zeit. Weiter erwähnte er, ob Fußgängerüberweg oder Ampel, beides kostet jeweils ca. 150 TEUR – Geld was nicht verfügbar sei. Als der Vorsitzende des Siedlervereins Peter Jantzsch das Wort ergriff, wusste er etwa 25 anwesende Siedler im Saal hinter sich. Eindringlich forderte er „Wir brauchen eine Lösung, ehe jemand tot gefahren wird. Finden Sie die 150 TEUR!". Er erwähnte, dass in der Siedlung zahlreiche Senioren wohnen, die Probleme haben über die Straße in den Supermarkt zum Einkaufen zu kommen. Außerdem berichtete er von einer Antwort aus dem Straßenbauamt, dass Kinder, die Probleme beim Überqueren der Straße nach dem Aussteigen aus dem Bus haben, doch bis zur Endhaltestelle und dann wieder zurück fahren sollten. Unterstützung fand er auch durch anschließende Wortmeldungen der Vorsitzenden der beiden Kleingartenvereine am Langen Weg und durch Einwohner in Prohlis. Mit „Man möchte manchmal eine Fledermaus sein" spielte ein Zwischenrufer darauf an, dass an anderer Stelle in Dresden finanzielle Ressourcen scheinbar keine Rolle spielen. Die anwesenden Politiker und Verwaltungsangestellten haben wohl den Nachdruck vernommen, mit dem hier eine Lösung gefordert wurde. Bleibt abzuwarten, ob und wann eine Umsetzung erreicht wird.
Vertrauen wir also auf das Wahlversprechen von Dietmar Haßler, der - dann wieder gewählt - 2014 „sehr viel Geld für den Straßenbau" im Dresdner Stadtrat locker machen wird, um alle Niedersedlitzer Problemstellen zu sanieren.

  • Ihre Werbung auf Niedersedlitz-Online

  • Heimatverein Niedersedlitz