Der Versammlungsraum der Feuerwehr war dem starken Ansturm der Interessenten an der Podiumsdiskussion zum Hochwasserschutz am Lockwitzbach kaum gewachsen. Einmal mehr wurde deutlich, in Niedersedlitz fehlt ein Raum für größere Veranstaltungen. Zahlreiche Anwohner, nicht nur aus Niedersedlitz, sondern auch aus dem Lockwitzgrund, aus Lockwitz, aus Zschachwitz und Meußlitz waren der Einladung des Heimatverein Niedersedlitz gefolgt und wollten von den geladenen Referenten hören, was gegen zukünftige Überschwemmungen durch den Lockwitzbach getan wird. Der Heimatverein hatte dazu Vertreter des Umweltamtes und des Katastrophenschutzamtes der Stadt Dresden und der Landestalsperrenverwaltung eingeladen. Das Umweltamt hatte seinen Sachgebietsleiter für Hochwasserschutz Thomas Jacob geschickt, vom Katastrophenschutzamt kamen die Abteilungsleiter Uwe Friedrich und Carsten Löwe, außerdem war der Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt anwesend. Nur der Amtsleiter der Landestalsperrenverwaltung LTV hatte unter fadenscheinigen Gründen eine Teilnahme abgelehnt. Den Anwesenden wurde bald klar, warum.

Der Lockwitzbach ist als Gewässer 1. Ordnung eingestuft und damit in der Zuständigkeit der LTV. Sämtliche Maßnahmen zum vorbeugenden Hochwasserschutz, die den Lockwitzbach betreffen, obliegen somit der LTV. Die Stadt Dresden ist hier lediglich dafür zuständig, dass die Brücken über den Lockwitzbach nicht zum Hochwasserhindernis werden.
Sachgebietsleiter Jacob erläuterte, um ein Hochwasser wie 2002 am Lockwitzbach zu beherrschen, müsste das Bachbett die dreifache Wassermenge der jetzigen Kapazität aufnehmen. An vielen Stellen im Stadtgebiet ist es wegen Platzmangels schlichtweg unmöglich, den Lockwitzbach derart auszubauen. Deshalb verfolge man seit Jahren den Bau von Hochwasserrückhaltebecken am Oberlauf. Insbesondere die Maßnahme Lungkwitz II wurde immer wieder als unerlässlich für einen wirksamen Hochwasserschutz angesehen – deren Bau jedoch seit Jahren aus wirtschaftlichen Gründen verzögert. Nur mit dem Bau dieses Hochwasserrückhaltebeckens und ergänzenden Maßnahmen im Dresdner Stadtgebiet sei es möglich, die extremen und schnellen Hochwasserereignisse der letzten Jahre zu beherrschen. Und obwohl erklärt wurde, der Bau der Talsperre Lunkwitz II sei nach den jüngsten Ereignissen nun auch bei der LTV feste Absicht, so blieben doch viele Fragen zu Finanzierung, Realisierungszeitraum und weiterführenden Maßnahmen offen. Ein Vertreter der LTV hätte sich sicherlich kritischen Fragen stellen müssen, denn zahlreiche der anwesenden Betroffenen der letzten Hochwasser mussten sich schon seit Jahren immer wieder die Ausflüchte der LTV anhören. Stattdessen zog man es seitens der LTV vor, sich hier vor den versammelten Bürgern um klare Aussagen zu drücken. Während an der Weiseritz seit Jahren massiv in den Hochwasserschutz investiert wird – der sich 2013 bereits bewährte, passiert am Lockwitzbach seit 2002 nichts Zählbares und der Hochwasserschutz ist nachwievor mangelhaft.
Thomas Jacob vom Dresdner Umweltamt erwähnte jedoch, dass es für die Brücken in Niedersedlitz Hoffnung gibt. Als Baumaßnahme bestätigt wäre die Brücke Windmühlenstraße, da deren Finanzierung auch gesichert sei, ist der Bau für Mai bis November 2014 geplant. Ebenfalls bestätigt seien Baumaßnahmen an der Brücke Prof.-Billroth-Straße, deren Finanzierung jedoch offen, sodass deren Realisierung eher nach 2014 zu erwarten ist. Für die Brücke Sosaer Straße über den Flutgraben ist ein Neubau in 2015 geplant.
Weniger Konkretes konnten die beiden Abteilungsleiter aus dem Katastrophenschutzamt beitragen. Nach allgemeinen und globalen Erklärungen zu Warnstufen, Einsatzabläufen und dem Ausrufen von Katastrophenalarm sowie der Erörterung zu Handlungen im öffentlichen Interesse und dem Aufruf zu mehr Selbstschutz, mussten sie sich den wütenden Kommentaren aufgebrachter Anwohner erwehren. Denn zahlreichen, der vom diesjährigen Lockwitzbach-Hochwasser Betroffenen wurde wohl eben dieser Selbstschutz verwehrt, als sie mit Schubkarren vor der Sandsackabfüllstelle in Lockwitz standen – die Herausgabe von durchaus vorhandenen Sand jedoch verweigert wurde, weil einerseits zum Zeitpunkt des Lockwitzbach-Hochwassers noch kein Katastrophenalarm ausgerufen war und anderseits die Ressourcen für das erwartete Hochwasser an der Elbe zurückgehalten werden sollten. Während den Betroffenen des Elbehochwassers umfangreiche Unterstützung zu Teil wurde, fühlten sich die Anwohner am Lockwitzbach im Stich gelassen. Zerknirscht räumten die Vertreter vom Katastrophenschutzamt ein, dass da wohl bei zukünftigen Ereignissen Verbesserungspotential besteht. Auch für die Wiederholung eines Eishochwassers wie 2006 konnte man nicht wirklich eine Lösung präsentieren.
Kontrovers diskutiert wurde auch die Notwendigkeit eines zusätzlichen Pegelmessers am Lockwitzbach auf Dresdner Stadtgebiet. Einig war man sich, dass der vorhandene Pegelmesser in Kreischa unzureichend für eine zuverlässige Bewertung ist. Zwar verhindere ein solcher weiterer Pegelmesser kein Hochwasser, jedoch wäre er hilfreich für eine genauere Vorhersage und für die nachgelagerte Auswertung von Hochwasserereignissen, auf deren Basis notwendige Schutzmaßnahmen geplant werden. Wiederholt wurde hier eine Stellungnahme der LTV vermisst, denn auch für einen Pegelmesser am Lockwitzbach ist die LTV zuständig.
Um der zuständigen Landestalsperrenverwaltung und letztlich der Landesregierung als deren Dienstherr die Dringlichkeit eines wirksamen Hochwasserschutzes am Lockwitzbach deutlich zu machen, und dass der Unmut nicht nur der Laune einiger weniger Unzufriedener entspringt, wurde eine Unterschriftensammlung angeregt. Der Heimatverein Niedersedlitz hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diese auf den Weg zu bringen.

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