Ndsol News20140322 01

Noch scheint Hopfen und Malz nicht verloren. Seit einiger Zeit verkünden große Banner an der Fassade von Niedersedlitz' größten Schandfleck, der verfallenen Ruine der ehemaligen Malzfabrik an der Straße des 17.Juni von großen Plänen. Die Ventar Immobilien AG aus Böblingen plant in das alte Fabrikgebäude 2-, 3- und 4-Raum-Wohnungen einzubauen.
Das Immobilienunternehmen hat bereits umfangreiche Erfahrungen als kompetenter Spezialist für die denkmalgerechte Sanierung zahlreicher historischer Gebäude, verfallener Industriegebäude und verlassener Bauerngehöfte. Viele ehemalige Schandflecke in Dresden wurden von dem Unternehmen zu neuem Leben erweckt und erstrahlen heute in frischen Glanz. Auch in Niedersedlitz hat sich die Immobiliengesellschaft bereits einen Namen gemacht: vor Jahren wurde das ehemalige Bauerngehöft an der Dorfstraße 12 zu einer Wohnanlage umgebaut und derzeit wird gerade an der Sportplatzstraße das ehemalige Fabrikgebäude der graphischen Kunstanstalt von Krey & Sommerlad, später auch als „Bettenbude" bekannt, saniert. Auch in Luga plant man den ehemaligen Großlugaer Gasthof mit Wohnungen auszustatten und auch das Gehöft am Lugaer Platz 3 steht auf der Referenzliste des Unternehmens.

Begonnen hatte die Geschichte der Malzfabrik bereits 1889, als die Brüder Moritz und Adolf Pick in Niedersedlitz ein großes Gelände entlang der Eisenbahn erwarben. Sie entstammten einer alten böhmischen Brauerfamilie, ihr Vater war Pächter der Melniker Brauerei. Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben die Brüder ein kleines Brauhaus in Liebeschitz, wenig später vergrößerten sie sich mit der Brauerei Theresienstadt und dem Brauhaus in Leitmeritz. Zum Leitmeritzer Brauhaus gehörte eine große Mälzerei und so dehnten die Brüder den Malzhandel auf der Elbe bis nach Deutschland aus. Um 1870 wurde der Geschäftssitz nach Dresden verlegt und die Firma Brüder Pick Dresden gegründet. Der Aufbau der Malzfabrik in Niedersedlitz erfolgte mit der Grundsteinlegung im Jahre 1889 unter der Leitung von Adolfs Söhnen Josef, Carl und Franz Pick. Die Fabrik entstand in 3 großen Hauptabschnitten, die sogenannte Fabrik 3 entstand noch 1915, während bereits seit einem Jahr der 1. Weltkrieg tobte. Das Niedersedlitzer Werk wuchs schnell zu Deutschlands größter Malzfabrik. Mit der nationalsozialitischen Machtergreifung wurden die Pick's enteignet und das Werk als Malzfabrik Niedersedlitz AG weiter betrieben. Zu DDR-Zeiten gehörte die Fabrik zum VEB Malzwerke Dresden. Am 20. September 1990 beschloss die Treuhandanstalt, die Mälzerei zu schließen. Seit dem war die Anlage dem Verfall und Vandalismus ausgesetzt.
Mit den Plänen der Ventar Immobilien AG besteht nun Hoffnung, dass der historische Niedersedlitzer Industriebau doch noch eine Zukunft hat. Ob jedoch Max und Moritz - wie die beiden markanten Fabrikschornsteine von den Niedersedlitzer genannte wurden - bei dem Umbau zu einer Wohnanlage erhalten bleiben, das wird sich erst noch zeigen ...

  • Ihre Werbung auf Niedersedlitz-Online

  • Heimatverein Niedersedlitz