Eine Ballade frei nach dem Erlkönig von J.W. v. Goethe

Wer steht vor der Malzfabrik des Nachts und bei Wind?
Es ist der Amtsschimmel, auf beiden Augen blind.

Er hat wohl diese verfallene Ruine sehr gern,
denn er hält sie fest und von Investoren fern.

Fragt ihn Max, der auch für Moritz spricht:
Siehst Amtsschimmel, du den Investor nicht?

Den Investor mit viel Geld und tollen Ideen!
Nein, Max und Moritz, ich kann ihn nicht sehen.

 

Malzfabrik, ich hab gar großes vor mit dir,
habe große Pläne hier auf dem Papier.

Eine Zukunft als Wohnanlage steht dir bevor,
die neuen Bewohner warten schon draußen am Tor.

Amtsschimmel, oh Amtsschimmel, hörst du es nicht,
was der Investor uns da alles verspricht?

Sei ruhig, bleib ruhig, du altes Gemäuer,
so viel Tatendrang ist mir nicht geheuer.

Das, was der Investor da alles so plant,
das hab ich im Flächennutzungsplan noch nicht geahnt.

Gewerbe an diesem Ort ich nur gestatte,
selbst wenn ich dafür bislang keine Käufer hatte.

Amtsschimmel, oh Amtsschimmel, siehst du nicht dort,
die vielen Wohnungssuchenden in deinem Ort?

Ja, Max und Moritz, die sehe ich schon,
die schicke ich jedoch lieber in Prohliser Beton.

Ach, Malzfabrik ich hätt' dich so gerne saniert.
Mit dem Amtsschimmel aber, man schnell die Lust verliert.

Amtsschimmel pass auf, der Investor will fliehen,
ich bitte dich inständig, lass ihn nicht ziehen.

Der Amtsschimmel aber wiehert, verzieht keine Miene.
Er will sich nicht trennen von seiner Ruine.

Stattdessen hält er fest am Flächennutzungsplan.
Max und Moritz jedoch, die brechen endgültig zusamm'.

© www.niedersedlitz-online.de, U.Clemens

Seit einigen Wochen ist bekannt, dass ein Investor plant, die verfallene Ruine der ehemaligen Malzfabrik – mit ihren 2, als Max und Moritz bekannten, Schornsteinen – denkmalgerecht zu sanieren und dort Wohnungen einzurichten. Anstatt dass die Stadt froh wäre, dass sich jemand findet, der in dem historischen Gemäuer noch Potential sieht – nein da wird gleich erst mal der Amtsschimmel raus gelassen. Der aktuelle Flächennutzungsplan weist das Areal als Gewerbegebiet aus – und da ist Wohnungsbau nicht vorgesehen. Basta.
Pläne kann man ändern – geht ja sonst anderswo in Dresden auch fortwährend. Derzeit ist der Bauträger dabei, gemeinsam mit der HTW Dresden, ein Nutzungskonzept für den Gebäudekomplex zu erarbeiten. Man ist also noch ganz am Anfang. Der Amtsschimmel sollte deshalb aufpassen, dass er das scheue Reh des Kapitals nicht gleich wieder verschreckt – und Max und Moritz einsam und verlassen zurückbleiben, bis sie endgültig zu Boden gehen. 

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