Läuft man derzeit durch Niedersedlitz, fühlt man sich an alte Zeiten erinnert. Früher hatte jeder sozialistische Großbetrieb eine Straße der Besten, wo er seine Protagonisten zur Schau stellte. Bleibt man in diesen Tagen länger als fünf Minuten am Straßenrand stehen, läuft man Gefahr flugs eine dieser bunten Pappen mit einem dieser sympathisch lächelnden Gesichter übergeschnallt zu bekommen. Es ist unverkennbar – in Dresden ist Wahl, und alle diese, uns am Straßenrand erwartungsvoll entgegen blickenden Menschen wollen nur unser Bestes – unsere Stimme – und das am besten gleich dreimal.
Auch die Niedersedlitzer haben am kommenden Sonntag die Wahl, ihre Interessenvertreter ins Dresdner Rathaus zu schicken. Bleibt nur die Frage, wer vertritt Niedersedlitzer Interessen im Dresdner Rathaus?

Die bunten Pappen mit ihren plakativen Sprüchen am Straßenrand helfen da zumeist kaum weiter, eher hilft da ein Blick in die Wahlprogramme der einzelnen Kandidaten.
Konkrete Aussagen finden sich am ehesten in den Programmen der christlichen und der freien Demokraten. Die einen schreiben sich die Sanierung von Fußwegen am Langen Weg und der Niedersedlitzer Straße, den Bau einer Fußgängerampel über den Langen Weg an der Ernst-Toller-Straße, Tempo 30 an der Lugaer Straße und den bedarfsgerechten Wohnungsneubau auf dem Gebiet der ehemaligen Sternhäuser auf die Fahne. Die anderen wollen sich für den Ausbau des Hochwasserschutzes entlang des Lockwitzbaches, für den Ausbau des Bahnhofsvorplatzes, für den Bau von Fuß- und Radwegen am Langen Weg, für die Sanierung der Bismarckstraße und Instandsetzung der Lockwitztalstraße, für die Sanierung der Prof.-Billroth-Straße einschließlich dem Neubau der Brücke über den Lockwitzbach und sichere Schulwege an der Heidenauer Straße einsetzen. Die Spitzenkandidaten beider Parteien waren schon bisher im Dresdner Stadtrat vertreten – liegt es daran, dass gerade sie diese Themen aufgreifen, die vielen Niedersedlitzern schon lange unter den Nägeln brennen? Wohl kaum - eher schon daran, dass beide Spitzenkandidaten seit vielen Jahren selbst in Niedersedlitz wohnen und somit die Probleme aus dem eigenen Alltag kennen.
Und was ist mit den anderen Stimmenjägern? Die grünen Naturfreunde – die, die mit dem Rad zum Zuge kommen wollten – sind noch schnell auf den schon fahrenden Zug aufgesprungen und wollen nun auch ein besonderes Augenmerk auf die Hochwasservorsorge am Lockwitzbach richten und durchgehende Gehwege und Mittelinseln für den Langen Weg. Wo sie allerdings ihr Rad am maroden Niedersedlitzer Bahnhofsvorplatz lassen wollen, das haben sie nicht gesagt. In Niedersedlitz soll die Ruine der Malzfabrik zu Wohnungen umgebaut werden. Ob die Genossen von linken Rand das unterstützen wollen, wenn sie „Wohnen: bezahlbar für alle" plakatieren? Deren Spitzenkandidatin träumt eher von einem Prohliser Stadtteilkino. Damit ist Niedersedlitz schon vor rund 50 Jahren baden gegangen und zumindest für die, die in dem einstigen Kino vor kurzem ihre neue Wohnung bezogen haben, war das Wohnen dort bezahlbar. Und die Newcomer am Parteienhimmel, sind sie eine Alternative für Niedersedlitz? Welche anderen Möglichkeiten sie für Niedersedlitz bieten wollen, darüber verlieren sie kein Wort. Was ist daran anders – das machen andere auch. Die sozialen Demokraten nämlich scheinen Niedersedlitz mit Bielefeld (der Stadt, die es angeblich gar nicht gibt) verwechselt zu haben. In deren Wahlprogramm kommt Niedersedlitz jedenfalls überhaupt nicht vor, stattdessen wird „Osternesterverstecken im Prohliser Wäldchen" als Highlight der Aktivität des hiesigen Ortsverbandes genannt. Konsequenterweise haben sie dann auch keinen Niedersedlitzer in ihrem starken Team für Dresdens Südosten. Einen Niedersedlitzer ins Rennen schicken dagegen die freien Bürger – wie er unseren Stadtteil vertreten will, da will man sich aber für nichts verbürgen und lässt sich alle Freiheiten. Für die Piraten letztendlich geht bei uns der Katzenverwirrer aus der Dresdner Neustadt an den Start – Leute passt auf eure Haustiere auf.

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