Mehr als 300 Anwohner waren der Einladung einer Niedersedlitzer Bürgerinitiative gefolgt und hatten sich am vergangenen Sonnabend gegen 10 Uhr vor dem geplanten Asylbewerberheim an der Heidenauer Straße 49 versammelt.
Von den eingeladenen Lokalpolitikern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung waren jedoch, bis auf den Niedersedlitzer und FDP-Stadtrat Jens Genschmar, kaum jemand erschienen. Einige Ortsbeiräte und ein CDU-Stadtrat mischten sich zwar unter die Anwesenden, verzichteten aber darauf vor der versammelten Menge öffentlich Stellung zu beziehen.
Die Leiterin des Sozialamtes Frau Dr. Cordts hatte den Organisatoren bereits im Vorfeld per Email ihre Teilnahme abgesagt. Stattdessen bot sie den Organisatoren an, ihre Fragen schriftlich bei der Stadtverwaltung einzureichen und erklärte sich bereit eine Abordnung von 5 Bürgern zu einem Gespräch zu empfangen.
Und so blieben die Initiatoren der Veranstaltung und die interessierten Anwohner allein mit ihren Fragen. Durch ihre Nichtteilnahme versäumte die Stadtverwaltung die Möglichkeit, den versammelten Bürgern vor Ort die Gründe für diese Standortwahl zu erläutern. Dies ist bedauerlich, stehen doch weitere Gebäude in der Umgebung als Alternativen bereit. Da Sozial-Bürgermeister Seidel den Standort bereits im Vorfeld als alternativlos bezeichnet hatte, wären die Kriterien, die zu eben dieser Standortwahl führten, sicherlich von Interesse gewesen.

Nach durchaus konstruktivem Beginn mit Redebeiträgen von dem Niedersedlitzer Einwohner Wolfgang Krusch und dem FDP-Stadtrat Jens Genschmar entglitt den Initiatoren die Veranstaltung, als diese dem NPD-Stadtrat Krien das Wort erteilten. In falsch aufgefasstem Demokratieverständnis gingen die Veranstalter dem rechten Demagogen auf dem Leim und boten ihm eine Plattform für seine diffamierenden Parolen. Ein Beitrag zur sachlichen Diskussion, wie in der Einladung zu dieser Veranstaltung angekündigt, war wohl von ihm zu keiner Zeit zu erwarten. Auch wenn die Veranstalter danach betonten, Herr Krien sei nicht eingeladen gewesen, so sind sie dennoch für den Ablauf zuständig. Wer die Kapelle bezahlt, der bestimmt auch die Musik, die gespielt wird. Und – wer eine Veranstaltung plant, der bestimmt wer sprechen darf und bestimmt damit die Richtung der Veranstaltung. Im Gegensatz zu einem gewählten Parlament ist es eben keine Frage der Demokratie, wer auf einer privat organisierten Veranstaltung das Wort führen darf.
Nachfolgende Redner, die versuchten, die Stimmung wieder zu versachlichen wurden teils ausgebuht und mussten teils ihre Redebeiträge abbrechen. Die Stimmung war gekippt, an den Sachthema interessierte Zuhörer hatten sich bereits enttäuscht abgewendet.
In der nachfolgenden Presseberichterstattung der DNN wurde die Veranstaltung dann leider nur auf die rechtslastigen Ausfälle des Herrn Krien verkürzt. Die Organisatoren haben es mit dessen Redeerlaubnis leider geschafft, das durchaus ehrenwerte Bürgeranliegen in die zweite Reihe zu stellen und die ganze Veranstaltung in Misskredit zu bringen. Stattdessen wurde nun aus Niedersedlitz von einer Veranstaltung voller Vorurteile und Hass gegen Asylbewerber berichtet. In der öffentlichen Wahrnehmung hatte die Veranstaltung dann nichts mehr mit dem zu tun, was die Initiatoren in ihrer Einladung formuliert hatten, auch wenn Teilnehmer vor Ort das vielleicht differenzierter sehen wollen. Durch das unglückliche agieren einiger Aktivisten wurde zudem der Heimatverein Niedersedlitz mit der Veranstaltung in Verbindung gebracht – der jedoch an der Veranstaltung gar nicht beteiligt war. Auch wenn die berichtende DNN inzwischen ihre diesbezügliche Darstellung korrigiert hat – zu spät: entsprechende Schlagzeilen haben sich verselbständigt und wurden bereits im Internet weitergereicht.
In der öffentlichen Wirkung der Veranstaltung kann sich jetzt leider auch Sozial-Bürgermeister Seidel bestätigt fühlen, der bereits im Vorfeld öffentlich in der Presse eine Teilnahme ablehnte, indem er bemerkte: „Fragen sollten fundiert beantwortet werden, das sei da nur schwer möglich." In einer, sich nach der Veranstaltung entfaltenden Diskussion auf Facebook zeigte er sich jedoch erstaunlich informiert und sparte nicht mit Diskussionsbeiträgen ... 

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