Ein Jahr lang verkündeten zwei große Banner an der verfallenen Ruine der Malzfabrik von der Absicht des Immobiliensanierers Ventar dort Wohnungen einzurichten und eine Denkmalsanierung auf höchstem Niveau durchzuführen.
Seit einigen Wochen ist die plakative Absichtserklärung nun jedoch wieder verschwunden. War's das für die hochtrabenden Pläne an dieser Stelle? Die Ventar Immobilien AG aus Böblingen hat sich in Dresden über viele Jahre einen guten Ruf mit der Sanierung zahlreicher verfallener Industriebrachen, alter Bauerngüter und Gründerzeithäuser erarbeitet. Auch in Niedersedlitz konnten sie mit der Rekonstruktion der heutigen Wohnanlagen an der Dorfstraße 12 und an der Sportplatzstraße 1 überzeugen. Hat sich die Gesellschaft nun an der Malzfabrik verhoben?

Bereits im letzten Jahr wurde bekannt, dass die Stadtverwaltung wohl nicht gerade vor Begeisterung sprühte – der Bebauungsplan wies das Areal als Gewerbegebiet aus, Wohnungsbau ist da nicht vorgesehen. Dennoch wurde der Architekturlehrstuhl Entwerfen und Städtebau von Prof. Angela Mensing-de Jong an der HTW Dresden mit der Erarbeitung von innovativen Ideen für den Umbau der alten Fabrik zu Wohnzwecken beauftragt. Neben gestalterischen Entwürfen wurde ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept gefordert. Vier Studenten kamen im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zu dem Ergebnis, dass das Gebiet in einer Kombination von Wohnbebauung und anderweitiger Nutzung eine Zukunft haben könnte.
Ein Reporter der Dresdner Neusten Nachrichten will nun erfahren haben, dass es nichts wird mit der Sanierung der Malzfabrik. Noch Anfang des Jahres hätte das schwäbische Immobilienunternehmen bestätigt, in den nächsten zwei bis drei Jahren die Industriebrache in eine Wohnlage zu verwandeln. Wenige Wochen später jedoch hatten seine Recherchen ergeben, dass die Ventar Immobilien AG gar nicht Eigentümer der Malzfabrik sei, sondern eine Protim GmbH in Dresden. Deren Geschäftsführer habe dies zwar bestätigt, aber zugleich versichert, dass er keinerlei Sanierungspläne in den nächsten Jahren habe. Dennoch hatte man wohl offenbar bereits Gespräche mit Baubürgermeister Marx über die Zukunft der Malzfabrik geführt – und die Studie an der HTW in Auftrag gegeben.
Diese Bau- und Immobiliengesellschaft jedoch gehört zur SMC Firmengruppe des Samer Mohamad. Ein Blick auf die Liste seiner Erfolge zeigt, dass er in den letzten Jahren fast ausschließlich als Generalunternehmer für die Ventar Immobilien AG tätig war. Auch bei der Sanierung der beiden Ventar-Objekte in Niedersedlitz war die SMC-Firmengruppe mit im Boot – ebenso, wie das auf den, jetzt wieder verschwundenen, Ankündigungsplakaten an der Malzfabrik verkündet wurde.
Was auch immer aus der Malzfabrik wird, wird die Zukunft zeigen. Wird die Ruine im verzweigten Firmengeflecht von Bauherren und Generalunternehmen, zwischen Ventar, SMC und diversen Sub-Firmierungen zerrieben, hat man sich zerstritten oder will man sich nur nicht zu zeitig in die Karten schauen lassen?
Bei der Ventar AG jedenfalls will man sich derzeit zu diesem Thema gar nicht äußern. Entsprechende Anfragen blieben unbeantwortet.

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