Letzten Freitag informierte die Stadtverwaltung darüber, dass in dem leerstehenden Gebäudeteil 1 der Schule an der Boxberger Straße in Prohlis innerhalb von 7 Tagen eine Unterkunft für etwa 150 Flüchtlinge eingerichtete werden soll. Unmittelbar daneben, im Gebäudeteil 2, befindet sich derzeit der Ausweichstandort der 89. Grundschule aus Niedersedlitz. Bereits seit mehr als einem Jahr sind die Niedersedlitzer Schüler der 1. bis 4. Klassen dort zu Gast, weil das Niedersedlitzer Schulgebäude noch bis Februar 2016 umfassend saniert und erweitert wird.
Gegen diese Planung formierte sich unverzüglich Protest der betroffenen Eltern, selbst die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Stadtratsfraktion sah damit „eine rote Linie" überschritten. Als die Sozialbürgermeisterin Kristin Kauffmann am Montagabend in der Sitzung des Prohliser Ortsbeirates die Pläne vorstellen wollte, kam es zu heftigen Diskussionen mit Eltern und Anwohnern. Anschließend eskalierte die Situation, als Verwaltungsbürgermeister Peter Lames sich in der Schule den Fragen der Eltern stellen wollte, und es vor der Tür zu Tumulten und Krawallen kam. Die Polizei musste eingreifen, um die Situation zu entschärfen.

Am Dienstag bildete sich eine Bürgerinitiative engagierter Eltern der Niedersedlitzer Grundschüler. Sie befürchten, dass sowohl rechte als auch linke Krawallmacher, politische Parteien und Bürgerbewegungen die Situation an der Schule für ihre Zwecke vereinnahmen werden. „Wir werden unsere Kinder aus Sorge um deren Sicherheit nicht in dieser Schule unterrichten lassen. Unsere Kinder sollen und werden in dieser Situation zu Hause bleiben." informierte die Bürgerinitiative in einer Presseerklärung. Der Schulelternrat der 89. Grundschule distanzierte sich davon, auch wenn er ähnlich lautende Bedenken äußerte. Anders als der überwiegende Teil der betroffenen Eltern – nur 20 bis 25 der 240 Schüler kamen am Mittwochmorgen zu Unterricht. Die Befürchtungen der Eltern hatten sich erst in der Nacht zuvor bestätigt - bisher unbekannte Täter hatten 4 Brandsätze gegen den leerstehenden Gebäudeteil der Schule geworfen. Oberbürgermeister Hilbert verurteilte die Tat im Laufe des Mittwoch in einer Presseerklärung scharf.
Am späten Nachmittag wurde dann bekannt, dass die Grundschule an den nächsten beiden Tagen geschlossen bleiben wird. Nach den Herbstferien soll der Unterricht dann in einer leerstehenden Schule am Terrassenufer wieder aufgenommen werden. Ursprünglich war dieses Schulgebäude als Asylunterkunft vorgesehen – wegen Brandschutzmängeln ist es dafür aber nicht geeignet ... Bei den Eltern findet die Entscheidung ein geteiltes Echo – zwar ist man auf die Bedenken und Befürchtungen der Eltern eingegangen, jedoch nicht so wie erwünscht. Statt der Flüchtlinge müssen nun die Kinder umziehen und für das letzte halbe Jahr einen noch längeren Schulweg auf sich nehmen und sich nochmals in eine neue Umgebung eingewöhnen – bevor sie nach den Winterferien hoffentlich wieder in ihr angestammtes Schulhaus in Niedersedlitz zurückkehren können.

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