Die Sächsische Zeitung hat sich diese Woche in einem Artikel wieder einmal dem zusammenfallenden Gebäude des ehemaligen Gasthofes „Zum Goldenen Löwen“ mitten in Niedersedlitz an der Bahnhofstraße gewidmet.
Viel Neues konnte jedoch nicht vermeldet werden. Bröckelnder Putz, kaputte und herunterfallende Fensterscheiben, zugenagelte Fenster, eingebrochene Decken – das ist ein Anblick, dessen sich die Niedersedlitzer alltäglich „erfreuen“ können. Das Dresdner Bauaufsichtsamt hat wohl bei einer Ortsbegehung im Dezember letzten Jahres keine gravierenden Mängel festgestellt – es wurden „keine vom Gebäude herabgefallenen Gegenstände im öffentlichen Bereich festgestellt“. Dennoch sei der Eigentümer aufgefordert, Grundstück und Gebäude zu sichern, unbefugtes Betreten zu erschweren und den Schutztunnelüber dem Gehweg zur ergänzen und instandzusetzen. Was mit dem Gebäude passieren soll? Da hat wohl offenbar nicht einmal der Eigentümer einen Plan. Ein Bauantrag liegt im Dresdner Rathaus nicht vor. Seit Jahren findet sich auf der Internetseite einer Ingenieurprojektgesellschaft Müller aus Dresden zwar eine Beschreibung des Gebäudes – ebenso lange verweigert man dort jedoch auch jegliche Auskunft zur Zukunft des „Goldenen Löwen“, egal von welcher Seite angefragt wurde. Auch die Sächsische Zeitung biss mit Ihrer Anfrage auf Granit. Und so fällt der denkmalgeschützte „Goldene Löwe“ weiter in sich zusammen, bis nichts mehr schützen ist …

Das Gebäude wurde 1875 von dem benachbarten Gutsbesitzer Karl Gotthelf Beil erbaut, nachdem er einige Jahre zuvor das Schankrecht in Niedersedlitz erworben hatte. Nach seinem Tod wurde der Gasthof von Theodor Freitag und dessen Sohn Rudolf Freitag weiter geführt. Die Geschichte von Niedersedlitz ist reich an Berichten über rauschende Feste im großen Ballsaal. Und auch viele alte Niedersedlitzer erinnern sich noch an Besuche in der Schankwirtschaft, bevor die dann Anfang der 1970er Jahre geschlossen wurde. Die Schule nutzte die Räumlichkeiten dann noch als Schulmöbellager; bis nach der Wende war hier noch eine Schuhreparatur, der Optiker Lösche und im benachbarten Anbau eine Polsterreparatur beheimatet.
Eine Nachbarin aus der ehemaligen Drogerie Friedrich berichtet der Zeitung, als sie 1981 dort einzog, sei der Gasthof schon geschlossen gewesen, aber noch in einem guten Zustand. Seit dem geht es bergab mit dem historischen Gebäude. Dabei gab es immer mal wieder Hoffnung auf ein gutes Ende – ob nach der Wende, als dort ein Ferienzentrum einer westdeutschen Burschenschaft entstehen sollte, oder zuletzt im Frühjahr 2013, als das Gerücht um ein Eros-Center die Runde machte. Mit Letzterem war man allerdings einem Aprilscherz von niedersedlitz-online.de aufgesessen …

 

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