Seit Anfang März wird die Reisstraße zwischen Kreisverkehr und Bismarckstraße grundlegend saniert. Monatelang war die komplette Straße aufgerissen und die Anwohner kamen allenfalls zu Fuß an ihre Häuser. Während an einigen Bauabschnitten deutliche Fortschnitte sichtbar sind, sich der neue Zustand der Reisstraße abzeichnet und ein Ende der Bauarbeiten in Sicht scheint – sind die Anwohner in anderen Bereichen völlig entnervt. Insbesondere die Häuslebauer im Kreuzungsbereich mit der Sosaer Straße und am dortigen Brückenneubau über den Flutgraben haben die Nase voll von den Bauarbeiten.

Seit Beginn der Baumaßnahme wird ihnen einiges zugemutet. Sie berichten über zerstörte Hecken und Zäune, beschädigte Gartentore, plötzliche Stromabschaltungen, Wasserrohrbrüche und Unerreichbarkeit der Grundstücke durch unangekündigte Grabungen. Früh morgens werden sie vom ohrenbetäubenden Lärm der Baumaschinen geweckt, Dreck und Staub durchzieht tagtäglich die Gärten. Die Krönung bisher war, als vor einigen Wochen der Bagger eine Gasleitung beschädigte und die Anwohner wegen Explosionsgefahr ihre Häuser verlassen mussten. Überhaupt macht die Baumaßnahme auf die Anlieger einen unkoordinierten und planlosen Eindruck – da werden Löcher aufgerissen und wieder zugeschüttet, um Wochen später an gleicher Stelle wieder von vorn zu beginnen. Sie fühlen sich von der Stadt allein gelassen und nicht informiert. Von einer Informationsveranstaltung für die Anlieger, wie es sie noch bei der Sanierung des benachbarten Gewerbegebietes ein Jahr zuvor gab, haben sie keine Kenntnis. Außer einer kurzen Postwurfsendung gab es nichts.
Und insbesondere der Neubau der Brücke über den Flutgraben ist den Anwohnern ein Dorn im Auge. In ihren Augen ist die Brücke völlig unsinnig und überdimensioniert. Tatsächlich war jahrelang von einem Ersatzneubau als Fuß- und Radwegbrücke die Rede. Noch Ende 2014 informierte der Chef des Straßen- und Tiefbauamtes Reinhard Koettnitz, dass analog zum Bestand eine 5m breite Brücke errichtet werden soll, die nur im Notfall befahrbar sei. Aufgrund der geringen Verkehrsbedeutung wäre eine ständige Nutzung durch Kfz-Verkehr verkehrsplanerisch nicht vorgesehen. Davon war Mitte 2015 keine Rede mehr. Um Gelder aus dem Fonds zur Hochwasserschadensbeseitigung zu erhalten, meinte man im Rathaus nun, eine Brücke ohne jede Einschränkung der Befahrbarkeit planen zu müssen; beruft sich dabei auf Richtlinien für Müllfahrzeuge und darauf, dass Absperr-Poller in Dresden nicht funktionieren. Jetzt wird die Brücke so gebaut, dass sie auch für schwere LKW nutzbar ist. Die Anwohner befürchten nun, dass sich zukünftig ein Teil des Schwerlastverkehrs aus dem benachbarten Gewerbegebiet über die neue Brücke und mitten durch Niedersedlitz, vorbei an Wohnsiedlungen, Kindergärten und Schulen, den Weg bahnen wird. Ortsamtsleiter Lämmerhirt und die Stadtverwaltung sehen diese Gefahr nicht und verweisen auf die – ihrer Meinung nach günstigere - Anbindung des Gewerbegebietes über die Bismarckstraße und den Langen Weg. Der Landtagsabgeordnete Piwarz dagegen räumt ein, dass durch die Nutzung von Navigationssystemen und durch den Ausbau der Süd-Ost-Umfahrung Dresdens zwischen Radeberg und Pirna ein solcher Effekt eintreten könnte und schlägt für diesen Fall Durchfahrtsbeschränkungen durch die Straßenverkehrsbehörde vor.
Wenn jedoch die Einen überhaupt keinen nennenswerten Verkehr über die neuen Brücke sehen und der Andere Durchfahrtsbeschränkungen vorschlägt – dann fragt man sich doch: Wozu wird eine solche – dann ja wohl tatsächlich überdimensionierte - Brücke gebaut, wo zuvor eine Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer ausreichend war? Nur um Fördermittel abzugreifen? Es sind unsere Steuergelder, die hier offenbar gerade im Flutgraben versenkt werden.

 

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