Ndsol News20160910 01

Am Sonntag findet wieder der alljährliche Tag des offenen Denkmals statt. Wieder einmal die Gelegenheit einer vergessenen Schönheit aus Niedersedlitz einen Besuch abzustatten. Im Lapidarium der Stadt Dresden fristet sie zwischen allerlei alten Steinen und anderen Reliquien, die die Dresdner Denkmalschützer als bewahrenswert erachten, ein recht trostloses Dasein – und kaum einer kennt die Niedersedlitzer Geschichte der Brunnenfigur „Danaide“ des Bildhauers Johannes Schilling.
Viel geistert über die Herkunft der Statue durch das weltweite Netz und die Literatur – viel davon ist falsch und wird auch durch häufiges abschreiben nicht richtiger. Oft wird behauptet, sie stand bis 1945 im Park der Villa an der jetzigen Sosaer Straße 6 – dort wo heute die Kindertagesstätte Villa Naseweis beheimatet ist. Tatsächlich hat der Sohn des ehemaligen Eigentümers, der selbst bis 1945 dort wohnte, dies definitiv ausgeschlossen. Vielmehr stand sie in der Villa des Fabrikanten Erich Enterlein auf der heutigen Bahnhofstraße. Erich Enterlein war ein Sohn von Oswald Enterlein, der in Niedersedlitz eine Fabrik für Bunt- und Luxuspapier gegründet hatte. Sein Sohn Erich führte diese Fabrik später weiter und wohnte seit 1903 in einer Villa an der heutigen Bahnhofstraße. Dort in der Diele stand die „Danaide“ jahrzehntelang, die er sich als Bronzeguss von dem bekannten Bildhauer Johannes Schilling anfertigen ließ.

Johannes Schilling ist allein in Dresden bekannt für die Panther-Quadriga auf der Semperoper, das Reiterstandbild für König Johann von Sachsen auf dem Theaterplatz, für die Denkmäler von Ernst Rietschel und Gottfried Semper auf der Brühlschen Terrasse und die Figuren der vier Tageszeiten an der großen Freitreppe zur Brühlschen Terrasse.
Die Literatur schreibt, dass eben dieser Johannes Schilling die „Danaide“ als freigewählte Aufgabe modellierte und das Gipsmodell um die Jahrhundertwende auf Kunstaustellungen in Berlin und Dresden zeigte. Auf der Dresdner Kunstausstellung 1899 soll ein Dresdner Privatmann die Plastik als Bronzeguss bestellt haben. Jener Privatmann war dann wohl der Erich Enterlein, der jedoch bereits zu jener Zeit im damals noch selbständigen Dresdner Vorort Niedersedlitz wohnte.
1945 wurde auch die Familie Enterlein enteignet, ebenso wie der Eigentümer der Villa Sosaer Straße 6. Dort residierte dann die russische Militäradministration und offenbar wurde deshalb die „Danaide“ dort kurzzeitig gelagert, bevor sie dann später in das Palais im Großen Garten eingelagert wurde. So entstand wohl auch die Mär vom Standort Sosaer Straße. Seit Anfang der 1950er Jahre stand die Statue dann in einem Park in Löbtau, bis sie dann 2009 wegen anhaltender Vandalismusschäden dort abgebaut wurde und im Lapidarium verschwand. Als Brunnenfigur, wie von Johannes Schilling konzipiert, fungierte die „Danaide“ nie – weder in der Villa der Familie Enterlein in Niedersedlitz, noch später im Löbtauer Park. Einzig ein Foto von der Kunstgewerbe-Ausstellung 1906 in Dresden zeigt die Figur als Wasserspiel – gab es mehrere Ausführungen von der Bronzefigur?
Als der Heimatverein Niedersedlitz sich in seinen Anfangsjahren um die Rückführung der „Nackschen“ bemühte, wurde ihm von den zuständigen Ämtern auch die „Danaide“ für die Aufstellung in Niedersedlitz offeriert. Als dort jedoch, nach den Recherchen des Heimatvereins, deren berühmter Schöpfer bekannt wurde, machte man davon einen Rückzieher. Nun wollte man die Statue exponierter in der Stadtmitte aufstellen. Geworden ist daraus bisher nichts. Und so rostet die „Danaide“ – eine vergessene Niedersedlitzerin – weiterhin inmitten alter Steine und allerlei verstaubter Artefakte dahin und nur einmal im Jahr ist sie für die Öffentlichkeit zugänglich – zum Tag des offenen Denkmals.

 

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