19990829... wurde der Niedersedlitzer Heavy-Metal-Club Skullcrusher gegründet.

© www.niedersedlitz-online.de, U.Clemens

Kommt man auf der Reisstraße an der ehemaligen Kantine der früheren Druckerei des Graphischen Großbetriebs „Berthold Haupt" vorbei, die ursprünglich mal die Bunt- und Chrompapierfabrik von Oswald Enterlein war, so kann es passieren, dass die martialischen Klänge einer bedrohlich laut-dröhnenden Musik bis auf die Straße dringen. Die Leute, die man dort trifft – wilde Typen zumeist mit langem Haar, allerlei Metall im Gesicht und verschlissener Jeansweste voller bunter Flicken - scheinen auf den ersten Blick die üblichen Klischees zu bedienen, die sich Otto Normalo so von ihnen macht: unhygienisch, aggressiv, besoffen. Und dann nennen sie sich auch noch – die Schädelspalter.
Schaut man etwas genauer hin, so wird man schnell feststellen: nichts davon ist wahr. Tagsüber sind sie Handwerker, Techniker, Lehrausbilder, Sozialarbeiter, Finanzbeamte, Studenten, ... – ganz normale Leute also. Abends aber eint sie das gemeinsame Interesse an wilder Gitarrenmusik.

Begonnen hatte alles vor 15 Jahren. Ein paar Dresdner trafen sich immer wieder auf allen möglichen Metal-Konzerten irgendwo in Deutschland. Während sie sich zunächst zu Fahrgemeinschaften fanden, war ihnen alsbald klar – gäbe es in Dresden einen Metal-Club, dann bräuchten sie nicht ständig sonst wohin fahren. Das Problem nur – es gab keinen. Und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als es selbst in die Hand zu nehmen.
Ein harter Kern traf sich alsbald regelmäßig, organisierte Partys und bereitete das erste Konzert in Dresden vor. Am 24. Juli 1999 war es soweit. 4 Bands spielten im Güntzclub, dem Studentenclub an der Güntzstraße, und der Abend war ein voller Erfolg. Der Güntzclub wurde kurz danach geschlossen und nie wieder geöffnet. Das jedoch hatte nichts mit den Metallern zu tun, die Schließung stand schon vorher fest.

Am 29. August 1999 wurde der Dresdner Heavy-Metal-Club dann offiziell gegründet und musste sich ein neues Domizil suchen. Fündig wurde man auf der Lohrmannstraße in Reick in der Nachtcantine. Glücklich war man dort jedoch nicht – die Ausgaben waren zu hoch, das Bier zu teuer, die Gäste blieben aus. Nach weniger als einem Jahr wurde die Location deshalb wieder aufgegeben und der Metal-Club zog weiter nach Niedersedlitz an die Reisstraße. Zusammen mit dem Biker-Club Saxonia mieteten sie die ehemalige Kantine der Niedersedlitzer Druckerei. Irgendjemand meinte, dass hier auch mal Militärgerät gebaut wurde und deshalb erklärten sie das verfallene Gebäude zur Panzerküche. Gemeinsam richteten sie die Ruine zu einem Klub mit Konzertsaal her, der auch mal 300 Besucher vertragen kann. Im Dezember 2001 waren sie fertig und feierten das mit einem ersten Konzert im neuen Quartier. Acht Monate später blieben auch sie nicht vom Jahrhunderthochwasser und den Fluten des Lockwitzbaches verschont, der sich seinen Weg die Reisstraße entlang bahnte. Und obwohl sie durchaus als gemeinnütziger Verein eingestuft sind, Fördermittel haben sie nie erhalten. Zwei, drei Mal haben sie es versucht. Aber im Dresdner Rathaus herrschen wohl auch die Klischees – förderwürdig waren die Schädelspalter nie. Und so haben sie sich alles aus eigenen Mitteln, aus Spenden und mit viel Engagement und Eigenleistung geschaffen.

Kalenderblatt%2019990829Und nicht nur das. 2005 veranstalteten die Dresdner Heavy-Metal-Freunde erstmals ein Benefiz-Konzert. Im Sommer als Idee geboren, wuchs die Begeisterung schnell und die „harten Jungs" zeigten unter der rauen Schale einen weichen Kern. Krebskranke Kinder sollten unterstützt werden und mit dem Sonnenstrahl e.V. fand man den passenden Verein dazu. Jährlich erkranken rund 2000 Kinder in Deutschland an Krebs. Ein Großteil von ihnen kann, dank der Fortschritte in der Medizin, heute erfolgreich behandelt und geheilt werden. Eine Behandlung ist jedoch langwierig und teuer und wird schnell zur Belastung für die ganze Familie. Viele betroffene Familien stehen dann vor Problemen, die sie nicht alleine lösen können. Mit einem Benefizkonzert wollten die Skullcrusher ihren kleinen Beitrag leisten, um zu helfen. Sie starteten einen Aufruf und innerhalb kürzester Zeit bewarben sich rund 70 Bands aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Spontan wurde entschieden, aus dem geplanten Konzert ein zweitägiges Festival zu machen und dennoch konnten nicht alle Bands eingeladen werden. Die Veranstaltung entwickelte sich zur größten Veranstaltung des Vereins. Und alle machten mit, nicht nur die rund 30 Vereinsmitglieder im Alter zwischen 20 und 60 - auch Sponsoren halfen, die Tontechnik gab es kostenlos und die Bands spielten ohne Gage. Manche Musiker wollten nicht mal die Anreise vergütet haben und bestanden darauf, das Bier selbst zu bezahlen. Nicht nur die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, auch die Erlöse aus der Gastronomie wurden gestiftet, sodass eine stattliche Spendensumme zusammen kam. Inzwischen plant der Verein in diesem Jahr bereits die 10. Auflage seines Benefizfestivals.

Jeder im Verein packt mit an, wenn es etwas zu tun gibt. Wer Mitglied werden will, macht erst mal ein halbes Jahr auf Probe mit, bevor der Vorstand über die Aufnahme entscheidet. Karteileichen werden nicht gebraucht. Der Mitgliedsbeitrag dient vorrangig zur Finanzierung der Räumlichkeiten. Aber auch wer nicht im Verein ist, kann einfach auf der Reisstraße vorbeikommen, um bei harter Musik ein Bier zu trinken.
Monatlich einmal wird Livemusik geboten. Die Schädelspalter aus Niedersedlitz haben sich mittlerweile einen Namen in der Szene gemacht. Bands, nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt, ob aus Brasilien, Dubai, Indien oder den USA stellten sich schon in den Niedersedlitzer Clubräumen vor. Frühzeitiges reservieren lohnt sich, denn die Gigs sind zumeist schnell ausverkauft.
Und so fahren die Dresdner Metal-Fans nur noch selten zu Konzerten nach irgendwo. Stattdessen kommen die Freunde der knackigen Riffs nun aus Bremen und Berlin, aus Nürnberg und München, aus der Schweiz und aus Tschechien zu ihnen nach Niedersedlitz in die Panzerküche – um bei wummernden Bässen, bei Drumgeholze und kreischenden Gitarren das lange Haupthaar wild im Rhythmus zu schütteln.

Quelle: www.skullcrusher-dresden.de

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