20161207... starb Hildegard Hamm-Brücher.

© www.niedersedlitz-online.de, U.Clemens

Vor wenigen Tagen starb die „Grande Dame der FDP“ im Alter von 95 Jahren. Von Mitte der Siebziger bis 1990 war sie Mitglied des Bundestages und kandierte 1994 für das Amt des Bundespräsidenten.
Was jedoch macht die Nachricht über den Tod einer bundesdeutschen Politikerin für eine regionale Webseite wie niedersedlitz-online.de erwähnenswert? Nun manchmal gibt es Zusammenhänge, die sind kaum zu glauben.
Hildegard wurde am 11. Mai 1921 in Essen als drittes von fünf Kindern ihrer Eltern geboren. Ihr Vater Paul Brücher war Jurist und arbeitete als leitender Angestellter in Berlin. Ihre Mutter Lilly war eine geborene Pick.
Historisch bewanderte Niedersedlitzer werden nun aufmerken und tatsächlich - die Eltern der Mutter waren Franz Pick und Elisabeth geb. Markus. Der Großvater von Hildegard Hamm-Brücher war einer der drei Brüder, die in Niedersedlitz Deutschlands größte Malzfabrik aufbauten (weitere Informationen dazu hier).
Kalenderblatt 20161207 01Mit 11 Jahren wurde Hildegard Vollwaise, ihr Vater war 1931 gestorben, ihre Mutter 1932. Sie und ihre 4 Geschwister wohnen nun bei der Großmutter Elisabeth Pick in der Dresdner Südvorstadt, der Großvater war bereits verstorben. 1933 wurde sie in das Dresdner Mädchengymnasium eingeschult. Ende der 30er Jahre musste auch sie zunehmende Ausgrenzung erfahren, Hildegard war als Halbjüdin eingestuft. Ihre Großeltern waren jüdischer Herkunft und obwohl schon in zweiter Generation evangelisch getauft, war die Großmutter der Judenverfolgung der Nationalsozialisten ausgesetzt. Hildegard Brücher studierte 1942 in München Chemie, als sie die Nachricht erreichte, dass die Großmutter im Sterben liegt. Aus Angst vor einer Deportation nach Theresienstadt hatte sich die 71jährige Elisabeth Pick mit Schlafmitteln das Leben genommen.
Heute erinnert in der Altenzeller Straße, dort wo damals die Pick‘sche Villa stand, ein sogenannter Stolperstein an das Schicksal von Elisabeth Pick, Witwe von Franz Pick - einem der ehemaligen Besitzer der Niedersedlitzer Malzfabrik - und Großmutter von Hildegard Hamm-Brücher, die dort 5 Jahre ihrer Kindheit verbrachte.

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