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Eine der imposantesten historischen Ruhestätten auf dem evangelischen Friedhof in Dresden-Leuben ist das Familiengrab der Familie Kauffmann.
Im Mittelpunkt steht dabei der Grabstein von Otto Kauffmann.
Otto Kauffmann war der Gründer der chemischen Fabrik für Schamottewaren und Mosaikplatten in Niedersedlitz. Als er 1871 seine Fabrik an der einige Jahrzehnte zuvor erbauten Eisenbahnlinie nach Böhmen gründete, war Niedersedlitz noch ein kleines, unbedeutendes Dorf. Erst danach folgten ihm zahlreiche andere Unternehmen nach Niedersedlitz, so dass sich Niedersedlitz infolgedessen in den nächsten Jahrzehnten zur wichtigsten Industriegemeinde vor den Toren von Dresden entwickelte. Otto Kauffmann gilt deshalb als der bedeutendste Pionier der industriellen Entwicklung von Niedersedlitz.
Als Otto Kauffmann am 21. September 1900 starb, wurde er inmitten seiner schaffensfrohen Tätigkeit dem unter seiner Leitung erblühten Betrieb entrissen. Bereits im Herbst 1899 hatten sich bei ihm erste Anzeichen einer Krankheit gezeigt, die sich Anfang 1900 vermehrten und schließlich zu einem schweren Leiden führten. Im Alter von 55 Jahren wurde er dann im September durch einen sanften Tod erlöst.

Er hinterließ 5 Kinder und die Firma, die sein Leben ausgefüllt hatte. Seine beiden Söhne Otto und Paul führten das aufs Beste ausgestattete Werk ihres Vaters in seinem Sinne weiter.
Otto Kauffmann wurde an der Seite seiner ersten Gattin und Mutter seiner Kinder begraben. Amalie Kauffmann, geb. Koch, war bereit 11 Jahre zuvor im Alter von 47 Jahren gestorben. Neben den Söhnen Otto und Paul hatte das Paar noch 3 Töchter – Margarethe, Antonie und Martha – sowie den bereits im Kindesalter verstorbenen Sohn Adolf. Nach dem Tode seiner Frau Amalie heiratete Otto Kauffmann deren jüngere Schwester Sidonie geb. Koch. Sie ersetzte den Kindern ihrer Schwester die Mutter und zog diese im Haushalt von Otto Kauffmann auf. Sie starb im Jahre 1907 im Alter von 60 Jahren und wurde an der Seite von Otto Kauffmann und ihrer Schwester im Kauffmannschen Familiengrab bestattet.
Otto Kauffmann wurde am 25. Januar 1845 als das vierte Kind des Papierfabrikanten Peter Philipp Kauffmann und dessen Ehefrau Martha Elisabeth in Hohleborn bei Schmalkaden geboren. Schon seit Jahrzehnten zählte die Familie Kauffmann zu den Papiermachern, bis zu dem 1691 geborenen Papiermüller Johann Heinrich Kauffmann lässt sich das Gewerbe in der Familie nachweisen. So war es nur folgerichtig, dass sich Otto Kauffmann nach der Lehre in einem Eisenwarengeschäft der Papierfabrikation zuwandte. Er lernte in der Dresdner Papierfabrik, arbeitete in der Königsteiner Papierfabrik seines Onkels Louis Kauffmann und hörte Vorlesungen an der Polytechnischen Schule in Dresden. Er fand Anstellungen in der Hessischen Papierfabrik bei Kassel, in der väterlichen Papierfabrik in Hohleborn, in Papierfabriken im Westerwald und Schlesien.
In diese Zeit fällt auch die Verlobung Otto Kaufmanns mit Fräulein Amalie Koch aus Dresden, die er dann wenig später am 2. Juni 1870 in Dresden heiratete.
Seine letzte Anstellung im schlesischen Troppau gab er 1871 auf und siedelte nach Dresden über, um sich hier ein neues Arbeitsfeld zu suchen. Die Absicht, die Königsteiner Fabrik seines Onkels zu kaufen, scheiterte am fehlenden Kapital. Schließlich wurde er auf die günstige Lage des durch die böhmische Eisenbahn erschlossenen Geländes unweit von Dresden aufmerksam und kaufte von dem Gutsbesitzer Heinrich Rietzschel in Niedersedlitz ein 27.000 m² großes Stück Land in der Nähe des Bahnhofes. Am 1. November 1871 begann er hier mit der Fabrikation von schwefelsaurer Tonerde. Schwefelsaure Tonerde diente bis dahin hauptsächlich in der Papierherstellung zum Leimen des Papiers.
Bereits 1872 und 1873 vergrößerte Kauffmann das Fabrikgelände auf 74.000 m² und erweiterte das Produktspektrum ständig. Anfangs wurden Ziegel gebrannt, dann Eisenbeize hergestellt. Die Firma kaufte eigene Tongruben und verarbeitete später ihre schwefelsaure Tonerde selbst weiter zu Kalialaun – einem Grundstoff zum Färben und Gerben - und Glanzweiß – ein wichtiges Ausgangsmaterial für die Herstellung von Kunstdruckpapier. Jahr für Jahr fielen bei der Produktion der schwefelsauren Tonerde nicht unerhebliche Mengen an Rückständen an. Auf der Suche nach einer Verwendung dieser Rückstände griff Otto Kauffmann den Vorschlag des Meißner Keramikers Gottfried Bergmann auf, diese als Zusatz für Steinzeug- und Schamottewaren zu verwenden. Er errichtete 1882 eine neue Fabrik für Schamotte- und Tonwaren. Trotz steigenden Absatzes und Fabrikerweiterung erwies sich die Produktion als nicht lohnend. Deshalb griff Otto Kauffmann 1893 den Vorschlag des Melniker Rudolph Charouczek auf, und begann mit der Produktion von Mosaikplatten. Damit war der Wendepunkt in der Geschichte der Kaufmannschen Firma errungen und das Unternehmen erlangte in der Mosaikplatten-Industrie eine unbestrittene Stellung von Weltruf.

Quelle: Vierzig Jahre Geschichte der Firma Otto Kauffmann, Chemische Fabrik, Schamottewaren- & Mosaikplatten-Fabrik Niedersedlitz, Ecksteins Biographischer Verlag, 1912

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