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Zu den, bis zum heutigen Tag auf dem evangelischen Friedhof Dresden-Leuben erhaltenen historischen Grabanlagen ehemaliger Niedersedlitzer gehört das Familiengrab von Johann Gottlob Schanze und seiner Frau.
Johann Gottlob Schanze war ein Gutsbesitzer in Niedersedlitz. Er gehörte zum ersten Schulvorstand der neugegründeten Niedersedlitzer Volksschule und er schenkte der Gemeinde Niedersedlitz das Grundstück für den Bau des ersten eigenen Schulgebäudes in Niedersedlitz.
Von jeher wurden die Niedersedlitzer Kinder nach Leuben in die Kirchschule geschickt. Mit einem neuen Schulgesetz in Sachsen wurde 1873 die Schule als selbständige Einrichtung neben die Kirche gestellt. Viele Gemeinden trennten sich danach von der alten Schule. Auch die Vertreter der Gemeinde Niedersedlitz erklärten im Jahre 1875, dass sie gewillt sind, sich von der Leubener Schule zu trennen und eine eigene Schule zu gründen. Man wählte einen Schulvorstand, dem der Pfarrer Georg Hünersdorf, der Fabrikbesitzer Otto Kauffmann, der Kohlenhändler Gottfried Ulbricht und die Gutsbesitzer Karl August Kaiser und Johann Gottlob Schanze angehörten. Bereits im gleichen Jahr begann die Errichtung des Schulgebäudes auf dem, vom Gutsbesitzer Schanze geschenkten Bauland und bereits ein Jahr später konnte es feierlich eingeweiht werden. Noch heute ist dieses erste Niedersedlitzer Schulgebäude erhalten – vielen langjährigen Niedersedlitzern ist das kleine Haus neben der heutigen eigentlichen Schule als Hortgebäude, Schulspeisung oder Pioniergebäude bekannt. Bei der derzeitigen Rekonstruktion und Erweiterung der Niedersedlitzer Schule wird das alte Schulhaus durch einen Verbindungsbau integriert und dient zukünftig der Schulverwaltung mit Sekretariat, Lehrerzimmer, Schulleiterbüro, Hortleitung und Arztzimmer.

Johann Gottlob Schanze entstammte einer in Niedersedlitz alt eingesessenen Bauernfamilie. Bereits sein Urgroßvater kaufte um 1775 einen Gutshof in Niedersedlitz an der heutigen Dorfstraße 16. Vor einigen Jahren wurde das Gehöft rekonstruiert und die neu errichtete Wohnanlage bietet heute vielen Neu-Niedersedlitzern ein Heim. Dort wuchsen sowohl der Großvater, als auch der Vater von Johann Gottlob Schanze mit ihren Geschwistern auf. Niedersedlitz war damals ein kleines Dorf - rund 200 einfache Bauern, Gärtner, Viehzüchter und Tagelöhner wohnten in den wenigen Häusern entlang der Dorfstraße zwischen heutigem Kreisverkehr und Dorfplatz. Als der Vater von Johann Gottlob Schanze 12 Jahre alt war, starb dessen Vater frühzeitig. Das Bauerngut musste verkauft werden. Jahre später heiratete er und kaufte ein kleines Anwesen in Kleinsedlitz bei Dohna. Dort wurde Johann Gottlob Schanze am 2. März 1835 geboren. 1860 kauft sein Vater den Niedersedlitzer Bauernhof an der Dorfstraße 2 und die Familie kehrte nach Niedersedlitz zurück. Johann Gottlob Schanze war zu jener Zeit 25 Jahre alt.
Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Lockwitzbaches an der Dorfstraße 5 befand sich damals das Gehöft des Gutsbesitzers Zeibig, ebenfalls eine Bauernfamilie, die seit Generationen in Niedersedlitz ansässig war. Der Gutsbesitzer Zeibig hatte eine Tochter, die wohl Gefallen an dem neu zugezogenen Jüngling in der Nachbarschaft am Dorfplatz fand. Bereits 2 Jahre später, am 24. Juni 1862 heirateten Johann Gottlob Schanze und Auguste Amalie Zeibig in der Leubener Kirche. Ihr Vater war damals schon 63 Jahre alt und so übernahm Johann Gottlob Schanze die Bewirtschaftung des Bauerngutes seines Schwiegervaters. 3 Jahre später jedoch, im Januar 1865, fiel sein Vater vom Scheunenbalken auf der Tenne und starb.
Von nun an bewirtschaftete Johann Gottlob Schanze zwei Bauerngüter mit allen dazu gehörenden Ländereien – das Bauerngut seines Schwiegervaters an der Dorfstraße 5 und das Gehöft seines Vaters an der Dorfstraße 2. In der Folgezeit wurden Johann Gottlob Schanze und seiner Frau zwei Söhne und eine Tochter geboren, die Tochter starb jedoch frühzeitig. Sein ältester Sohn übernahm 1890/91 die beiden Gehöfte seiner Eltern und führte sie bis nach Ende des 2. Weltkrieges weiter. Das Gehöft an der Dorfstraße 5 wurde vor einigen Jahren ebenfalls zu einer Wohnanlage umgebaut und im Haupthaus des Gehöfts an der Dorfstraße 2 befindet sich seit vielen Jahrzehnten eine Bäckereiverkaufsstelle.
Johann Gottlob Schanze engagierte sich in der Gemeinde – neben seiner Mitgliedschaft im ersten Niedersedlitzer Schulvorstand war er auch einige Jahre als Ortsrichter tätig. Er starb am 9. Januar 1897 und wurde auf dem Friedhof in Leuben bestattet. Seine Frau folgte ihm 1913 und fand an seiner Seite ihre letzte Ruhe. Zuvor hatte sie 1901 zur Einweihung der neugebauten Leubener Himmelfahrtskirche, gemeinsam mit ihren beiden Söhnen, 2 silberne Altarleuchter gestiftet, die sich dort noch heute in Gebrauch befinden.

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